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Survivor Storys

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Ich will leben. Das ist nicht die Zeit zu sterben. Ich will L-E-B-E-N

  • Anonymous soldier's story

Raketen schlugen neben unseren Schlafräumen ein und die Splitter flogen bis zu uns

Um halb sieben klingelte mein Wecker, ich musste aufstehen, da ertönte ‘Raketenalarm, Raketenalarm’. Wir wussten nicht, was tun, denn wir waren noch nie in dieser Situation, also liefen wir hinaus zu so einem grossen Betonrohr, wir stellten uns hinein, aber da ist es nicht allzu sicher, die Detonationen dort sind wirklich total verrückt, bei jedem Knall dachte ich, ich sterbe. Raketen schlugen neben unseren Schlafräumen ein und die Splitter flogen bis zu uns und alle begannen zu weinen. Auch die Mädels, die schon lange dort sind, sagten, dass es noch nie so heftig war. Das war erst der Anfang.


Die ersten Nachrichten über einen Überfall kamen, also, dass Terroristen auf israelisches Territorium eingedrungen sind… nicht nur bei unserer Kommandozentrale, sondern auch in Nahal Oz, Yiftah, Re’im und Kerem Shalom. Überall kamen Horden von Terroristen, bei uns hatte schon kurz vorher jemand darüber Bericht erstattet, aber die Einsatzkräfte schafften es nicht rechtzeitig zu kommen und sie aufzuhalten, Unmengen an Terroristen, absolut verrückt. Sie begannen auf die Radaranlagen und die Kameras der Spähposten zu schießen, sodass wir nicht mehr in der Lage waren, etwas zu überwachen.


Man sagte uns, dass unsere einzige Möglichkeit darin besteht, so schnell wie möglich in die Kommandozentrale zu flüchten, mitten im Raketenalarm, neben uns schlugen Raketen ein, und ich lief so schnell wie noch nie in meinem Leben. Wir liefen einfach, erreichten die Kommandozentrale und es hieß, dass alle ihre Posten verlassen würden. Dort ist eine Art riesige Computeranlage und man sagte uns allen, die Posten zu verlassen und uns hinter dieser Anlage zu verstecken, einfach zu verstecken.


Wir drängten uns alle dort zusammen und versteckten uns, bis dann Einsatzkräfte kamen und uns sicherten. Da war eine Tür, die nicht richtig schloss, denn das Schloss war kaputt, ein Team hielt sie zu. Die Situation war ohnehin schon entsetzlich, doch dann schalteten sie uns den Strom aus und beide Türen sind elektrisch. Als der Strom weg war, öffneten sich die Türen automatisch.


Zuerst war eine Einheit der Golani-Brigade bei uns, doch sie wurden sehr rasch ausgelöscht, sie wurden einfach einer nach dem anderen umgebracht. Man begann, Verletzte in unsere Kommandozentrale zu bringen, ich half, sie zu behandeln, so gut ich konnte, doch ich hatte große Angst, aus meinem Versteck zu kommen. Du fürchtest so sehr um dein Leben, dass es seelisch schwer zu ertragen ist. 26 Stunden lang haben wir nichts gegessen.


Es gab kein Essen und kaum Wasser, wir teilten die letzten Schlucke gerecht auf. So blieben wir von 6:30 bis etwa 23:00 Uhr. Durch den Stromausfall lief die Klimaanlage nicht, es war sehr stickig, die Hitze war unerträglich, einmal pinkelte ich in ein Glas, zweimal in den Papierkorb, es gab dort keine andere Möglichkeit. Manche machten sich vor lauter Stress in die Hose, Mädels nässten sich ein, was da geschah, kann man sich gar nicht vorstellen. Ich kann nicht beschreiben, wie sehr ich jede Sekunde dort um mein Leben fürchtete, ich hatte Angst, mich zu rühren, zu sitzen, körperlich brichst du zusammen, wir haben nichts gegessen und getrunken, nichts machte mehr Sinn. Ich versteckte mich in einer Schublade, ich hab mich hineingelegt, ich fürchtete um mein Leben, denn die Türen waren offen und die Terroristen kontrollierten die ganze Kommandozentrale, es gab viele Tote und viele Verletzte, die riefen ‘mein Freund ist tot, er ist in meinen Armen gestorben’. Es kamen Leute, denen eine Granate ins Gesicht explodiert war, es war wie in einem großen, schrecklichen Horrorfilm.


Dann ging der Feueralarm los, und da glaubte ich, jetzt ist alles aus, denn wenn wir hinausgehen, sind dort die Terroristen und wenn wir drinnen bleiben, verbrenne ich. Zu unserem Glück konnte der Brand gelöscht werden. In Nahal Oz haben sie offenbar die ganze Kommandozentrale niedergebrannt und da hatten die Mädels keine Wahl, sie konnten nur hinauslaufen oder drinbleiben und verbrennen, da liefen sie hinaus und es ist unklar, ob ein Teil von ihnen entführt wurde, oder was mit ihnen geschah. Jedes Mal, wenn Terroristen an unsere Tür klopften, erschraken wir fürchterlich, wir konnten uns nirgendwo verstecken, wir waren in dem Sch—raum, in den sie hartnäckig einzudringen versuchten. Zum dritten Mal mussten wir darum flehen, dass Einsatzkräfte kommen. So viele Terroristen und viele Tote und Verletzte, niemand wusste was zu tun war und wir weinten alle hysterisch und wollten nach Hause. Ich weiss nicht, wie ich das überlebt habe.


Sie begannen, von den Türen aus auf uns zu schießen, am Ende wurden sie ausgeschaltet, aber auch beim zweiten Überfall standen sie auf dem Dach der Kommandozentrale. Wir flehten unsere Soldaten an, eine Drohne zu bringen, eine Rakete, die sie abschiesst, und irgendwann begann der Generator wieder zu laufen und hörte dann wieder auf und dann begannen wir viele Terroristen umzubringen, sie liefen so rasch wie möglich weg und wir bombardierten sie. Wir entdeckten, dass sie uns Taschen mit Uniformen und vieles mehr gestohlen haben.


Man versuchte, uns rauszuholen, wir hatten Angst, die ganze Zeit waren da auch Raketen, deshalb haben wir noch weiter gewartet. Am Ende standen wir in einer Zweierreihe, von beiden Seiten beschützten uns Soldaten einer kämpfenden Einheit, wir waren dann außerhalb der Kommandozentrale, dort wurde geschossen. Wir waren dem komplett ausgesetzt, da haben wir uns geduckt, ich saß im Blut von Soldaten,man konnte sonst nirgends sitzen. Auf dem Weg zum Autobus sahen wir Leichen, viele Freunde der Soldatinnen der Überwachungseinheit waren tot, kaputte Panzer, wir waren darauf in keinster Weise vorbereitet. Die Soldatinnen der Überwachung konnten gerettet werden. Ich glaube, dass keine der Soldatinnen des Sozialdienstes am Leben blieb.


Das kleinste Geräusch macht mir jetzt Angst, jeder Knall und jede zuschlagende Tür, oder wenn jemand niest. Ich kehre nicht dorthin zurück, ich kann nicht. Wie kann ich wieder in mein Leben zurück, allein schlafen geht nicht, ich kann nichts von dem tun, was ein normaler Mensch tut. Es ist nicht fair, dass Mädels in unserem Alter das durchmachen mussten, und ich war überhaupt erst zwei Tage dort.



Anonymous Female Lookout Soldier.



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